Ursula Windisch

Gastgeberin, Hotel der Bär

„Ich habe gelernt, mich auf Situationen einzulassen.“

Porträt von Martina Baumgartner

Foto © Johannes Kernmayer
Foto © Peter Rigaud

Ursula Windisch sagt diesen Satz beinahe beiläufig, und doch sagt er so viel über sie aus. Wer mit der Gastgeberin im Hotel Der Bär in Ellmau spricht, merkt schnell: Diese Frau hat eine eigene Art, Menschen zu beobachten und Stimmungen aufzunehmen. Ihre Biografie, ihre Erfahrungen und ihre Persönlichkeit machen sie zu einer Gastgeberin, die nichts künstlich inszenieren muss, um aus ihrem Hotel, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann Andreas Windisch führt, eine besondere Wohlfühloase zu machen. Sie zählt definitiv zu jenen Persönlichkeiten, die Präsenz hat, ohne sie einzufordern und damit Begegnungen schafft, die nachhaltig beeindrucken.

Aufgewachsen ist sie als jüngstes von sechs Kindern auf einer Farm in Namibia, mitten in der Weite Südafrikas. Dort lebte die Familie mit Rindern und einem Alltag, der von Natur, aber auch von Verantwortung geprägt war. „Es war völlig normal, mitanzupacken“, sagt sie. Früh lernte sie, sich in einem strukturierten, oft erwachsenen Umfeld zurechtzufinden. Mit sieben Jahren kam sie ins von der elterlichen Farm 250 Kilometer entfernte Internat in Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Sie ist bilingual aufgewachsen, auf Deutsch und Afrikaans, in der Schule wurde später auf Englisch unterrichtet. Eine frühe Prägung auf Mehrsprachigkeit, Anpassungsfähigkeit und den Blick für Unterschiedlichkeiten – und das besondere Gespür für Nuancen.

Die Kindheit in Namibia hat sie geprägt: Das Bewusstsein für Ressourcen, die Selbstverständlichkeit von Nachhaltigkeit, bevor sie ein Label wurde.
Foto © Der Bär

„Das Fleisch unserer Rinder war natürlich Bio – auch wenn wir es nicht so tituliert haben. Es war selbstverständlich.“ Heute ist ihr das Wissen um Herkunft, Qualität und Reduktion geblieben. Auch in ihrer Rolle als Gastgeberin im Hotel Der Bär achtet sie auf den Ursprung der Dinge, auf Materialien, auf den achtsamen Umgang mit dem, was da ist.

„London war für mich damals das Coolste überhaupt. Ich liebe die Stadt nach wie vor.“

Nach der Schulzeit folgte die Ausbildung in Kapstadt, dann der Sprung nach London. Acht Jahre lang lebte Ursula Windisch in der britischen Hauptstadt. Sie arbeitete für internationale Fluggesellschaften, bewegte sich in der britischen Hauptstadt, der sie sich nach wie vor sehr verbunden fühlt, in einer Welt voller Tempo, Vielfalt und Inspiration. „London war eine Zeit der Freiheit“, sagt sie. Es war auch eine Zeit, in der sie ihren Sinn für Gestaltung schärfte: Räume, Farben, Stoffe – das Zusammenspiel von Materialien und Atmosphäre begann sie zu faszinieren.

Foto © Der Bär

Im Jahr 2001 traf sie Andreas Windisch bei der Relais & Châteaux Showcase in Berlin. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, wie sie schmunzelnd erzählt. Drei Monate später verlobten sie sich, noch im selben Jahr zog sie nach Tirol und stieg in den Betrieb von Andreas, den er gemeinsam mit seinen Eltern führte, ein: das Hotel Der Bär in Ellmau. „Ich habe ganz normal im Schichtdienst an der Rezeption begonnen, das war mir aber auch wichtig – ich wollte verstehen, wie der Betrieb funktioniert.“ Keine Sonderrolle, kein Abkürzen. Ihr Zugang war stets beobachtend, zugewandt, offen.

„Ich bin eine, die gern in eine Nacht darüber schläft und nicht aus der ersten Emotion heraus reagiert.“

Heute führt sie das Haus gemeinsam mit ihrem Mann – als Gastgeberin, Gestalterin und Mutter von drei Kindern, darunter Zwillinge. Die Rollen im Betrieb sind nicht starr verteilt, Entscheidungen werden bewusst gemeinsam getroffen. Dabei folgt Ursula Windisch gerne einer ihrer wichtigsten Credos: Manchmal ist es gut, eine Nacht über etwas zu schlafen anstatt in der ersten Emotion heraus eine Entscheidung zu treffen. „Ich bin jemand, der lieber einmal mehr hinschaut, bevor etwas entschieden wird“, sagt sie. Ihren Fokus und ihre Klarheit, kommt aus der Ruhe, mit der sie Dinge durchdenkt. Diese Ruhe ist spürbar, auch im Haus selbst. Der Bär ist kein lautes Hotel: Es ist ein Ort, der einlädt, nicht überfordert. Ein Haus mit klaren Linien, warmen Farben, hochwertigen Materialien. Vieles davon trägt Ursula Windischs Handschrift, in enger Zusammenarbeit mit Architekt Christian Wallack und Dekorateurin Andrea Foidl. Es sind keine dramatischen oder gar kitschig eingesetzten dekorativen Stilmittel, sondern fein gesetzte Akzente: Stoffe, die Geschichten erzählen, Lichtstimmungen, die Räume verändern. 

Foto © Johannes Kernmayr

„Ich bin keine Architektin“, sagt sie. „Aber ich spüre, was ein Raum braucht.“

Diese Haltung zeigt sich auch im Umgang mit dem Team. Ursula Windisch ist keine Chefin im klassischen Sinn, sondern führt dadurch, dass sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Raum für gibt, keinen Druck. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, wie man am neu fertiggestellten Mitarbeiter:innen Haus sieht. Das befindet sich in herrlicher Lage mit Blick auf den Wilden Kaiser direkt neben dem Hotel, nicht irgendwo abseits am Ortsrand. In der Mitarbeiterführung setzt sie auf Vertrauen, Weiterentwicklung und Offenheit: Gemeinsam mit ihrem Mann lebt sie vor, was sie sich auch von anderen wünschen: Eigenverantwortung, Respekt, Bereitschaft zur Veränderung.

Foto © Der Bär

„Ich bin niemand, der sich in den Mittelpunkt stellt.“

Reisen spielen neben dem Hotel Der Bär eine große Rolle in ihrem Leben. Diese Inspiration, die sie aus ihren Städte-Kurztrips oder ihren Namibia-Besuchen bei der Familie holt, fließt zurück in das Hotel – in Form von Bildern, neuen Stoffen oder einer veränderten Perspektive auf bestehende Dinge. Ursula Windisch ist eine Gastgeberin, die sich nicht in den Mittelpunkt stellt. Sie vertraut darauf, dass Qualität wirkt. Dass Menschen spüren, wenn etwas mit Bedacht gestaltet ist, und das Atmosphäre entsteht, wenn man Raum lässt für Begegnungen, für Entwicklungen und für Pausen. Der Bär in Ellmau ist auch deshalb ein so besonderer Ort, weil er genau diese Balance verkörpert: zwischen Reduktion und Komfort, zwischen Klarheit und Herzlichkeit.

Emotional, landschaftlich und biografisch bleibt ihre Heimat Namibia, doch ihr Zuhause ist heute in Ellmau.

In einem Hotel, das sie mitgeprägt hat. In einer Rolle, die sie gefunden hat, ohne sie gesucht zu haben.

Kontakt

Ursula Windisch

Hotel Der Bär

Kirchbichl 9

6352 Ellmau am Wilden Kaiser

Web: www.hotelbaer.com

Tel: +43 5358 2395

Mail: info@hotelbaer.com

 

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