Rita Huber

Inhaberin des vegetarisch, veganen Bio – Lieferservice ritabringts.at in Wien

„Wir bringen in unserem Unternehmen so viele unterschiedliche Menschen zusammen. Aus meiner anfänglichen Angst, für so viele Menschen verantwortlich und in ihr Leben direkt involviert zu sein, wurde eine Bereicherung für mein Leben.“

Foto ® Katharina Reckendorfer (Blumenbund)

“Wir bringen in unserem Unternehmen so viele unterschiedliche Menschen zusammen.

Dadurch sind neben Freundschaften sogar schon WG’s und mit meiner, vier Beziehungen entstanden. Aus meiner anfänglichen Angst, für so viele Menschen verantwortlich und in ihr Leben direkt involviert zu sein, wurde eine Bereicherung für mein Leben. Wir sind heute noch mit ehemaligen Mitarbeitenden befreundet und sie unterstützen uns immer noch in unserem Tun.“

Rita ist gebürtige Salzburgerin. Sie studierte nach einer musischen Ausbildung Film- und Literaturwissenschaften und arbeitete nach ihrem Abschluss in der Event- und Kulturbranche. Sie war Teil der Salzburger Festspiele, der Viennale und mit 21 Jahren verantwortlich für die Produktionsleitung des „Kinos unter Sternen“ am Karlsplatz. „Mir war mein Studium nicht genug und deshalb arbeitete ich gerne nebenbei. In dieser Zeit habe ich extrem viel gelernt.

“Auch, was es bedeutet, jeden Tag frisches Essen von seiner Mama zu bekommen.“

Lebensmittel und Kochen haben mich schon immer begeistert und so ergab es sich, dass ich mit einem befreundeten Pärchen den Kulturverein „Kulturküche“ gründete. Bei unseren Pop-up Veranstaltungen wollten wir im kleinen Kreis aufkochen und unseren Kunstprojekten Raum geben. Diese Zeit damals war wirklich verrückt, denn ich hatte stets drei bis vier Jobs gleichzeitig.“

Einer davon war bei ihrem Schwager und seiner Internetplattform autogott.at, einer Neuwagenvermittlungsplattform, auf der man sich sein Wunschauto konfigurieren konnte und österreichweit nach einem Händler suchte. „Meine Aufgabe war es, Preise in Listen einzugeben. Eines Tages schrieb mir mein Schwager eine Nachricht via Facebook, in der stand, dass ich doch schon immer etwas Eigenes machen wollte und es in Wien noch keinen vegetarischen Lieferdienst gab. Ob ich nicht Lust hätte, mit ihm das aufzuziehen? Ich dachte, es sei ein Witz, doch er meinte, er möchte in seinem Leben einen Impact für Mensch und Natur hinterlassen und sah ein großes Potenzial.“ 

Und so trafen sie sich am nächsten Tag zum ersten Meeting. Rita kündigte ihren Job und zwei Wochen später begannen sie mit der Gründung. Nach zwei Monaten ging ritabringts.at online und sie starteten von der ersten Minute an durch. Innerhalb eines halben Jahres zogen sie bereits in ihre eigene Küche im 6. Bezirk, von wo aus sie bis heute fast ganz Wien beliefern. „Damals waren Lastenräder noch eine Seltenheit und wir fielen mit unserem grünen Branding auf. Zusätzlich ging unsere 50 % Aktion auf unsere Bestellungen im ersten Monat viral. Jede Person erhielt für ihr Feedback einen Rabatt. Am ersten Tag kaufte ich alle Bio-Kartoffeln in ganz Wien auf, weil sie uns überrannten“, lacht Rita. Die Presse und die Mundpropaganda bescherten uns einen fulminanten Start und heute liefern wir 1.500 Portionen täglich.

„Wir sind ein vegetarischer, veganer Bio Lieferservice auf Vorbestellung. Bis am Vortag um 16:00 Uhr kann man sich für unsere Gerichte entscheiden. Die Lieferung erfolgt am Folgetag zwischen 9:30 und 12:00 Uhr. Dadurch erhalten wir Planungssicherheit. Unser Sortiment umfasst Suppen, Salate, Hauptspeisen und Desserts, sowie ein Snack-Angebot. Wir kochen jeden Tag frisch und unsere Hauptspeisen werden im “Cook and Chill”-Verfahren produziert. Vitamine und Nährstoffe bleiben durch das schnelle Kühlen erhalten und die Gerichte sind 2-3 Tage im Kühlschrank haltbar. Darüber hinaus benötigen wir in unseren Lastenrädern keine Warmhalteaggregate.“

Neben ihrem Hauptgeschäft entwickelte sich auf Nachfrage ein Cateringdienst für Büromeetings, der heute das zweite Standbein der Firma darstellt. Dieses Jahr im April feiert ritabringts.at ihren 10. Geburtstag. „Wir arbeiten gerade am großen Relaunch unserer Webseite. Neben neuen Filtern kann man im eigenen Profil sein Essverhalten und seine Unverträglichkeiten eintragen. Dadurch werden nur noch passende Gerichte angezeigt und vereinfachen somit die Usability.“ 

"Damals waren Lastenräder noch eine Seltenheit und wir fielen mit unserem grünen Branding auf.”

„Unser Team besteht heute aus 65 Mitarbeitenden. Wenn ich an mein 24-jähriges Ich zurückdenke, das bei der GmbH Gründung gerade einmal Umsatz von Gewinn unterscheiden konnte, bin ich schon zufrieden mit unserer Entwicklung. Aber auch dieser Weg war von Strapazen geprägt. Während Corona sind wir explodiert und mussten uns während des laufenden Betriebes verdoppeln. Wir liefen auf Vollgas und es fühlte sich an wie in den ersten Tagen. Als wir diese Hürde genommen hatten, kam für mich die große Flaute. Mir war langweilig und das Kochen und Essen haben mich angestunken. Ich hatte einfach keine neuen Ideen mehr und die Lust verloren. Mir war klar, dass ich wieder einmal an einem Wendepunkt angekommen war und Unterstützung brauchte. Wir holten einen Produktentwickler mit langjähriger Erfahrung ins Boot und seine vielen Ideen zündeten auch bei mir wieder das Feuer. Heute entwickeln wir gemeinsam und ich bin froh, eine so wichtige Person an meiner Seite zu wissen.“

„Ich schätze mich unglaublich glücklich, einen Beruf zu haben, bei dem ich meine Ideen, Persönlichkeit und Überzeugung einbringen kann. Lange Zeit haderte ich mit mir, warum ich keine Leidenschaft für ein eigenes Hobby aufbringen konnte, bis mir bewusst wurde, dass ich beim Kochen am glücklichsten und ausgeglichensten bin.“

 

Schöne Erinnerungen verbindet sie mit gutem Essen, wie zum Beispiel dem Grießkoch ihrer Mama. „Bei uns liefen die Nachbarskinder gerne im Sommer zu uns in den Garten, weil’s bei Brigitte, meiner Mama, das beste Grießkoch mit übergossener Butter, Zimt und Zucker gab. Wir Kinder saßen dann im Garten und genossen ihren Brei. So schmeckt meine Kindheit. Diesen Geschmack servieren wir heute selbst als Dessert.“

“Und wieder einmal war ich an einem Wendepunkt in meinem Leben angekommen.”

Menschen, die sie auf ihrem Lebensweg begleitet und geprägt haben, sind ihr Schwager Gerald Költringer, ihr Vater und die damalige Pressesprecherin der Salzburger Festspiele. Von ersterem hat sie gelernt, nicht alles immer so ernst zu nehmen. „Gleichzeitig lernte er von mir, manches ernster zu nehmen. Er ist 20 Jahre älter als ich, aber unsere Arbeit basiert stets auf einem ausgewogenen Geben und Nehmen.“ 

 

„Mein Papa war Tierarzt. Er verkörpert für mich die Selbständigkeit mit seiner Hingabe zum Beruf, seiner Ruhe und seinem bedachten Umgang mit Menschen. Er hat mich stets in meinem Tun bestärkt und meinen Weg niemals hinterfragt. Für das bin ich ihm sehr dankbar.“

 

„Und last but not least hat mich meine damalige Vorgesetze, die Pressesprecherin der Salzburger Festspiele, in beruflicher Hinsicht sehr geprägt. Ich war damals 19 Jahre alt und hatte an ihrem starken Charakter sehr zu knabbern. Aber sie hat mich eines ganz klar gelehrt: präsent im Raum zu sein und die Situation zu beherrschen, gerade im Umgang mit Journalist:innen oder unangenehmen Personen.“ 

 

Überraschender Wendepunkt

Ich wurde vor zwei Jahren ungeplant Mutter, was für mich natürlich einschneidend war und kurzfristig einen anderen Weg vorgab. Meine Mutter-Rolle habe ich dabei erst vor kurzer Zeit so richtig verstanden und wohl auch akzeptiert. Das hat meine Rolle im Betrieb freilich verändert. 

 

Geheimrezepte

Neben Olivenöl, das in Ritas Küche niemals fehlen darf, würde sie gerne die verschiedenen Geheimrezepte von Tomatensaucen kennen. „Ich finde, eine gute Tomatensauce sollte jede gute Köchin beherrschen können. Dabei gibt es so viele unterschiedliche Ausführungen, wie die ganz pure Variante mit Olivenöl und Salz oder die geschmacksexplosive Version im israelischen Shakshuka.“

 

Ritas Restaurantempfehlung wäre das Restaurant Gotland in Stockholm. Ich besuchte meinen damaligen Freund in Stockholm und wir gingen mit seinen Eltern in dieses sündhaft teure Lokal. Kulinarisch war mir Schweden eher Fisch und Fleischlastig bekannt, aber hier präsentieren sie Gemüse als den Star auf dem Teller. Bis heute habe ich dieses Menü als sehr prägend in Erinnerung. Und außerdem servierten sie österreichischen Bio Veltliner,“ lacht sie.

Mit dieser Frau arbeitest du gerne zusammen?

Eine Frau, mit der ich aktuell sehr gerne zusammenarbeite, ist Michaela Hudecova-Königshofer. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von Schnittbogen.at – der Textilwerkstatt, die unsere Recyclingprodukte machen und künftig auch unsere Arbeitskleidung. Außerdem betreibt sie seit 2020 die Toiflhuette.at in Klosterneuburg. Sie hat nicht nur viele Ideen, sie bringt sie vor allem auf den Boden und ist ein bewundernswerter Wirbelwind.

Themen, bei denen ich mich im Gespräch auf einem Podium sicher fühle und für die ich Begeisterung zeige, sind:

  • Gemüse und sein Anbau, 
  • damit einhergehend auch (Bio) Landwirtschaft (in meiner Perspektive sehr rational betrachtet und immer in realistischer Abwägung der nötigen Reduktion des Fleischkonsums und gleichzeitig der Notwendigkeit der Viehzucht) 
  • Fahrradpolitik und städtische Mobilität 
  • Generationenfragen 
  • Digitalisierung in der Gastronomie 
  • (ganzheitlich) nachhaltiger Lebensstil bzw. Versuch und positives Scheitern ihn umzusetzen

Kontakt

Rita kocht gesund GmbH

Schleifmühlgasse 9/10

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