Paula Bründl

Köchin, Autorin, TV-Host, Podcasterin

„Mein ganzes Leben lang schon orientiere ich mich nach den Dingen, die mich wirklich erfüllen.“

Fotos © Maximilian Bründl

Foto © Sarah Kreutzhuber

Und genau diese Leidenschaft hat sie beim Kochen gefunden. Wenn Paula spricht, merkt man sofort, dass Kochen für sie längst mehr ist als ein Beruf. Es ist ihre Art, Menschen zu begeistern, Wissen weiterzugeben und mit ihren Gerichten echte Emotionen zu wecken.

Vom Psychologiestudium in die Küche

Während der Corona Zeit begann alles ziemlich unspektakulär. Paula zappte sich durch Kochsendungen im Fernsehen und merkte plötzlich, wie sehr sie das Kochen fasziniert. Aus der Neugier wurde schnell Begeisterung. Die Teilnahme an der TV Küchenschlacht und später der Sieg bei „The Taste“ verstärkte dieses Gefühl noch einmal. Während sie ihren Bachelor im Psychologiestudium noch fertig machte, wurde ihr immer klarer, dass sie eigentlich etwas anderes wollte.

Kochen. Und zwar richtig.

Nicht als Theorie. Nicht als Studium. Sondern als Handwerk. Von der Pike auf gelernt, mit allem, was dazugehört.

Als sie sich beim Steirereck von Heinz Reitbauer bewarb, ging sie wie so oft einfach all in. Und bekam tatsächlich die Lehrstelle. Nach einem halben Jahr wechselte sie zum Mühltalhof zu Philip Rachinger. Für den Beginn ihrer Ausbildung erschien ihr die absolute Sterneküche noch etwas zu weit voraus. Im Mühltalhof fand sie genau das, was sie suchte.

„Kochen darf nie an der Küchenwand enden.“

Bei Philip Rachinger lernte sie eine enorme Bandbreite. Wirtshausküche, High Cuisine, Handwerk und Haltung. Vor allem aber etwas, das ihr bis heute wichtig ist.

Kochen darf nicht an der Küchenwand enden.

Der Kontakt zum Gast, der Schmäh am Tisch, das direkte Feedback. All das fehlt vielen Köchinnen und Köchen, wenn sie nur in der Küche stehen. Paula liebt genau diesen Moment, wenn Menschen reagieren, wenn ein Gericht etwas auslöst. Danach arbeitete sie noch ein Jahr bei den Gebrüdern Obauer und vertiefte dort ihr Wissen über österreichische Produkte und ihre Verwendung.

Authentisch statt perfekt

Heute ist Paula 26 und arbeitet auf vielen Bühnen gleichzeitig. Fernsehsendungen, ein Kochbuch, Social Media Formate, Kochkurse, Caterings, Private Dinings und Panel Talks gehören zu ihrem Alltag. Gemeinsam mit Dominik Süss hat sie außerdem ein Podcast Format gestartet.

Was Paula dabei besonders macht, ist ihre Authentizität. Wenn sie beim Dreh ausrutscht, etwas anbrennt oder sich verbrennt, weiß sie schon genau, was später im Trailer landet. Genau diese Momente lässt sie bewusst stehen.

Die kleinen Hoppalas gehören dazu. Sie machen sichtbar, dass Kochen nicht perfekt sein muss. Gerade junge Menschen, sagt Paula, wollen heute keine Hochglanzfassade mehr sehen. Sie wollen echtes Leben. Und dafür muss man sein Ego manchmal einfach ein bisschen im Griff haben.

Ein kulinarisch fotografisches Gedächtnis

Paula beschreibt sich selbst als jemanden mit einem kulinarisch fotografischen Gedächtnis. Ein Tipp aus einer Kochsendung, ein Handgriff, eine Technik. Vieles bleibt bei ihr hängen und lässt sich später wieder abrufen.

Sportler analysieren Bewegungen über Videoaufnahmen, um besser zu werden. Für Paula funktioniert Kochen ähnlich. Sie beobachtet, speichert und probiert aus. Genau so hat sie während der Pandemie unglaublich viel gelernt.

Essen als Emotion

Für Paula ist Essen weit mehr als nur Ernährung. Sie ist überzeugt, dass Essen eine enorme emotionale Kraft haben kann. Als sie nach der Matura ein Jahr in Kolumbien verbrachte, erlebte sie das selbst.

In Bogotá suchte sie einmal stundenlang nach einem Naturjoghurt ohne Zucker, eben so wie er zuhause schmeckt. Als sie ihn endlich fand, aß sie ihn nach einem langen Tag zuhause mit Zimt und Honig.

„Das war das beste Antidepressivum, das ich mir vorstellen kann.

Diese Erfahrung begleitet sie bis heute. Gerichte müssen nicht immer spektakulär oder verrückt sein. Oft sind es gerade die einfachen Dinge, die uns vertraut sind, die Menschen berühren.

Bei ihren Events erlebt sie das immer wieder. Wenn plötzlich Pofesen auf dem Tisch stehen und Menschen aus völlig unterschiedlichen Lebenswelten anfangen zu erzählen. Erinnerungen an die Kindheit, an die Großmutter, an früher.

Essen verbindet.

Das Superfood vor der Haustür

Besonders wichtig ist Paula das Wissen über unsere heimischen Produkte. Viele Dinge, sagt sie, werden heute völlig unterschätzt.

Echtes Handwerk zum Beispiel. Oder natürliche Lebensmittel.

Almbutter enthält einen besonders hohen Anteil an Omega 3 Fettsäuren, weil die Tiere auf der Alm bestes Futter fressen. Eigentlich bräuchten wir dafür keinen Fisch importieren. Trotzdem greifen viele lieber zu exotischen Superfoods aus aller Welt.

Dabei steht unser eigenes Superfood oft direkt vor der Haustür. Schwarzbeeren gehören zu den Beeren mit dem höchsten Anteil an Antioxidantien, den unsere Natur zu bieten hat.

Dieses Wissen möchte Paula wieder stärker sichtbar machen.

Ein Sommer auf der Alm

Im vergangenen Jahr verbrachte sie selbst Zeit auf einer Alp in Vorarlberg und arbeitete dort als Hirtin & Sennerin. Eine Erfahrung, die ihren Blick noch einmal verändert hat.

Wer einmal erlebt hat, wie viel Arbeit hinter echter Butter, Käse oder Milch steckt, versteht sofort, warum diese Produkte ihren Wert haben. Viele Produzentinnen und Produzenten verdienen daran kaum Geld. Sie machen es trotzdem, weil sie gar nicht anders wollen.

Genau diesen Menschen möchte Paula eine Stimme geben.

„Die wenigsten wissen, dass unser heimisches Superfood, wie Almbutter oder Schwarzbeeren, direkt vor unserer Haustür wächst.“

Inspiration aus dem Wirtshaus

Neue Ideen holt sie sich am liebsten dort, wo viele gar nicht mehr hinschauen. Im Wirtshaus. In einfachen Lokalen, bei bodenständigen Gerichten. Zuhause blättert sie außerdem gerne durch alte Kochbücher oder ruft ihre Mutter an, wenn sie etwas wissen will. Schon in ihrer Kindheit hat sie ihren Geschmack stark geprägt.

Wenn sie in Salzburg eine Alm empfehlen soll, fällt ihr sofort die Spießalm mit Marianne ein, die selbst melkt und käst. Oder die Zachhofalm, wo zwei Schwestern gemeinsam arbeiten. Auch Jakob Hermann in Werfen beeindruckt sie. Ein ehemaliger Profisportler, der heute auf seiner Alm arbeitet.

Die Suche geht weiter

Was Paula antreibt, ist diese Mischung aus Neugier und Leidenschaft. Sie möchte noch mehr lernen, noch tiefer ins Handwerk eintauchen, Brot backen, Käse machen und verstehen, wo unsere Lebensmittel wirklich herkommen. Gleichzeitig liebt sie es, Menschen für genau diese Dinge zu begeistern. Wenn sie erzählt, wie gut ein einfaches Butterbrot sein kann, hört man ihr sofort zu. Und genau das ist vielleicht ihre größte Stärke. Andere spüren zu lassen, warum gutes Essen so viel mehr sein kann als nur eine Mahlzeit.

Foto © WhatIfMedia

Mit diesen Frauen arbeitest du gerne zusammen?

  • Mit Alexandra Klein, die als Kräutermadame bekannt ist und unglaublich viel Wissen über Kräuter und Kombucha hat.

  • Mit Elisabeth Feldinger, die mit 19 Jahren schon ihren eigenen Bioladen eröffnet hat.

  • Mit der so herzlichen Elisabeth Hödlmoser und ihren einzigartigen Schafmilchprodukten.

  • Mit Monika Vogelreiter und ihrem so liebevoll erzeugten Pinzgauer Räucherschotten.

Frauen, mit denen du dich gerne einmal austauschen würdest?

  • Mit meiner verstorbenen Oma Paula

  • Rosina Ostler

  • Lindsey Vonn

  • und Eileen Gu

Themen, über die Lisa gerne spricht:

  • Regionalität
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