Michelle Morik
Geschäftsführerin Alpencamping, Nenzing
„Vom Leistungssport nimmt man eine unsichtbare Grundlage für das ganze Leben mit – die Disziplin, die Ausdauer und das tiefe Verständnis dafür, wie man ein Team mit echter Wertschätzung führt.“
Fotos © Hannes Niederkofler
Wer das von Michelle geführte Resort in Vorarlberg besucht, merkt schnell, dass Camping hier völlig neu definiert wurde. Die heutige Geschäftsführerin setzt konsequent auf ein Boutique Konzept, das Wellness und Natur verbindet und sich bewusst von der breiten Masse abhebt. Ihre Basis dafür ist eine tiefe, persönliche Verbindung zum Betrieb. Sie ist auf dem Platz im Naturpark Nenzinger Himmel aufgewachsen und hat von Kindesbeinen an gelernt, dass Erfolg in der Gastfreundschaft auf Präsenz und harter Arbeit beruht. Als Kind verbrachte sie die Sommermonate mit ihren Eltern direkt auf dem Gelände und erlebte dieses unvorhersehbare Leben, bei dem man auch nachts für die Gäste da sein musste, hautnah mit.
Ihre allererste Camping Erinnerung liegt jedoch noch weiter zurück und hat sie für immer geprägt. Mit gerade einmal fünf Jahren reiste sie mit ihrer Familie drei Wochen lang im Camper durch Neuseeland. Ein prägendes, nachhaltiges Erlebnis, von dem sie bis heute jede einzelne Minute nacherzählen kann. Heute verantwortet sie strategische Millioneninvestitionen und führt das Familienunternehmen mit einer klaren, modernen Linie in die Zukunft.
Doch hinter dem heutigen Erfolg steht eine Familiengeschichte mit vielen Wendepunkten, harten Brüchen und radikalem Wandel. Gegründet wurde der Campingplatz einst von Michelles Vater und ihrem Onkel, die das Ruder komplett ohne Vorkenntnisse übernahmen und den Betrieb aus dem Nichts aufbauten. Michelle lenkt dieses Erbe heute mit dem klaren Blick einer modernen Unternehmerin, die Tradition und Luxus ohne großes Chichi zusammenbringt und dabei das Bewusstsein für die eigenen Wurzeln nie verliert.
Disziplin als unsichtbares Fundament
Bevor Michelle Morik die alleinige Führung des Familienbetriebs übernahm, lebte sie in einer völlig anderen Welt. Als Profiskiläuferin im ÖSV Kader und Absolventin des Tiroler Skigymnasiums Stams war ihr Alltag von der unerbittlichen Disziplin des Leistungssports geprägt. Das frühe Aufstehen, das harte Training und der Fokus auf den Erfolg formten eine mentale Stärke, die ihr heute als Unternehmerin zugutekommt. Ihre sportliche Karriere endete jedoch nicht planmäßig, sondern mit harten Rückschlägen: zwei aufeinanderfolgenden Kreuzbandrissen. Nach dem zweiten Riss, mitten in der Weltcup Qualifikation, entschied sie sich bewusst und in tiefem Frieden für den Abschied vom Spitzensport. Zurück blieb kein Gefühl der Verbitterung, sondern eine fundamentale Dankbarkeit für die erlernte Disziplin, die Motivation und das tiefe Verständnis für Teamdynamiken.
Es folgte die akademische Ausbildung mit einem Studium in Wien, das ihr das unverzichtbare wirtschaftliche Grundwissen einbrachte, während sie bereits unermüdlich zwischen der Hauptstadt und Vorarlberg pendelte. Nach Rückschlägen, verheerenden Bränden und dem tragischen Tod ihres Onkels übernahm ihr Vater die alleinige Führung, und für Michelle stand fest, dass sie die Zukunft des Platzes aktiv mitgestalten würde.
Die Neuerfindung des Campings
In den vergangenen zehn Jahren hat Michelle Morik gemeinsam mit ihrer Familie rund 15 bis 17 Millionen Euro investiert und den einst einfachen Campingplatz in ein hochexklusives Boutique Resort verwandelt. Mit sieben Saunen, einem großzügigen Innen- und Außenpool, luxuriösen Chalets und privaten Wellnesskabinen direkt am Stellplatz hat das Konzept mit dem klassischen Camping von früher nichts mehr zu tun.
Der Typ Mensch, der heute hierher zum Camping fährt, hat sich grundlegend verändert. Die Gäste suchen keine laute Animation oder klassische Wimpelketten Romantik mehr, sondern Erholung, hochwertige Kulinarik und Wellness inmitten der unberührten Natur. Im Winter verwandelt sich das Resort zudem in eine Oase für Dauercamper, die tagsüber skifahren, nachmittags im Wellnessbereich entspannen und abends gut essen gehen.
Diese klare, qualitätsbewusste Linie zieht sich auch durch das gastronomische Konzept, das Michelle als Geschäftsführerin federführend mitgestaltet. In der Küche wird bewusst auf Pinzetten Chichi verzichtet. Der absolute Schwerpunkt liegt auf ehrlichen, regionalen Produkten und österreichischer Qualität. Das große Highlight für Familien aus der gesamten Umgebung ist die traditionelle Hausgrillplatte. Trotz des gehobenen Resort Konzepts ist es Michelle ein großes persönliches Anliegen, preislich für Familien erschwinglich zu bleiben und ein faires, bodenständiges Angebot zu schaffen, das Einheimische und Urlaubsgäste gleichermaßen zusammenbringt.
Auch beim Bauen folgt sie einer zeitlosen Philosophie. Naturfarben und Naturmaterialien dominieren die Architektur, denn sterile Neubauten passen für sie nicht in die Landschaft Vorarlbergs. Dass der Wellnessbereich auch nach vielen Jahren von den Gästen wie am ersten Tag gefeiert wird, ist für sie der schönste Beweis dafür, dass nachhaltige und zeitlose Gestaltung funktioniert.
Zukunft
„Früher war ich sehr gerne weg. Mittlerweile freue ich mich immer aufs Heimkommen.“
Michelle ist angetreten, um das Erbe ihrer Familie zu bewahren und gleichzeitig neue Maßstäbe im Tourismus zu setzen. Mit der strategischen Mitgliedschaft im Netzwerk Leadingcampings of Europe unterstreicht sie ihr Boutique Selbstverständnis und grenzt sich bewusst von investorengeführten Hotelketten ab.
Besonders wichtig ist ihr dabei das Teamgefüge im Resort, das mittlerweile bis zu 35 Mitarbeitende umfasst. Die bemerkenswert niedrige Fluktuation und die langjährige Betriebszugehörigkeit zeigen, dass ihr Führungsstil von echter Wertschätzung geprägt ist. Einige ihrer Angestellten waren ursprünglich selbst Gäste, die das Teamgefühl von außen erlebten und sich genau deshalb für einen Wechsel in Michelles Betrieb entschieden.
„Wenn Mitarbeiter ab dem ersten Tag so anpacken und mitdenken, als wäre es ihr eigener Betrieb, dann weißt du, dass das Teamgefüge stimmt.
Deshalb machen wir auch einmal im Jahr alle zusammen eine Woche Urlaub, fliegen nach Lissabon oder gehen auf Kreuzfahrt. Viele sind seit über zehn Jahren da und wohnen mittlerweile direkt neben mir.“
Obwohl Michelle im Urlaub gerne die Welt bereist und die kulinarischen Facetten ferner Länder entdeckt, zieht es sie mittlerweile immer wieder schnell zurück in die Heimat. Ihr Führungsstil ist eine Symbiose aus sportlicher Zielstrebigkeit, familiärer Wärme und dem Mut, eine traditionelle Branche völlig neu zu denken. Vorarlberg hat eine visionäre Gastgeberin, die zeigt, wie moderner Luxus im Einklang mit der Natur und mit Herz für Familien funktioniert.
Diese Frauen muss man kennen?
- Lindsey Vonn – für ihre mentale Stärke, ihren Ehrgeiz und ihre Fähigkeit, nach Rückschlägen immer wieder zurückzukommen.
- Mikaela Shiffrin – für ihre außergewöhnliche Disziplin, Bescheidenheit und Konstanz auf höchstem Niveau.
- Die vielen Frauen, die Familie, Beruf und Verantwortung täglich unter einen Hut bringen und dabei oft Großartiges leisten, ohne im Rampenlicht zu stehen.
Mit diesen Frauen würde ich mich gerne austauschen?
- Lindsey Vonn und Mikaela Shiffrin – weniger über den Sport selbst, sondern darüber, wie sie mit Druck, Erwartungen und Rückschlägen umgehen.
- Menschen, die ihren eigenen Weg gegangen sind und dabei authentisch geblieben sind.
- Inspirierende Persönlichkeiten, die auch außerhalb ihrer beruflichen Erfolge interessante Geschichten und Lebenserfahrungen mitbringen.
Themen, zu denen ich gerne spreche?
- Familienunternehmen und Unternehmensnachfolge
- Wein als eines meiner größten „Hobbies“ als Sommelière
- Tourismus der Zukunft sowie die bauliche und strategische Weiterentwicklung von Tourismusbetrieben
- Mitarbeiterführung und Loyalität in Unternehmen
- Regionalität, Kulinarik und die Entwicklung neuer Gastronomiekonzepte
- Erfolgreiche Positionierung und Differenzierung von Tourismusbetrieben
So sehr ich meinen Beruf liebe, privat ziehe ich eine klare Grenze. Mit meiner Familie spreche ich in den wenigen gemeinsamen freien Stunden bewusst nicht über den Betrieb. Dieser Abstand ist mir wichtig, um wirklich abschalten zu können und die gemeinsame Zeit zu genießen.
Kontakt
Michelle Morik
Alpencamping Nenzing
Garfrenga 1, 6710 Nenzing
https://www.alpencamping.at/