Michaela Ettinger und Agnes Holzinger

Küchenchefinnen und Inhaberinnen „Die Almwirtinnen“, Grünau im Almtal

Wir sind wie wir sind und dazu gehört auch einmal ein lautes Lachen. “ 

Fotos © Die Almwirtinnen

Ohne unsere Stammgäste wären wir heute nicht dort, wo wir jetzt stehen. Eine bunte Mischung aus Anzug- und Arbeitshosenträger:innen war uns von Anfang an wichtig. Bei uns darf man an der Bar seine Gaudi haben und/oder einen netten Abend mit einer guten Flasche Wein verbringen. Eine Wirtsstube muss leben, denn Leben zieht Leben an. Und wir sind ein Wirtshaus und kein Gasthaus, das heißt, die Wirtin schafft an und wenn es mal zu laut ist, dann sagen wir auch: Runter vom Gas, oder das war’s für heute. Und ich ergänze dann immer: Sonst kriegts ihr alle noch einen Herzinfarkt und dann lachen sie und beruhigen sich wieder. 

„Wir lieben gutes Handwerk und eine klare Sprache.“

Im Talschluss, mitten in Grünau, war es anfangs nicht so einfach, ein Wirtshaus ohne Wirt zu führen. Die Einheimischen standen uns sehr skeptisch gegenüber und gaben uns zwei Mädels maximal ein Jahr. Mittlerweile haben sie uns akzeptiert und tragen uns schon mal das schwere Fass Bier in den Keller, lacht Agi. Die anfängliche Befürchtung, dass wir hier ein edles Restaurant aufmachen, war schnell durch die eigene Neugier der Einheimischen, vom Tisch, erzählt Michi. Sie haben schnell gesehen, dass wir wirklich ein Wirtshaus für alle sein möchten und bei uns jede/r willkommen ist. Gerade unser älteres Publikum schätzt es sehr, dass wir nach ihnen fragen, wenn sie mal nicht am Stammtisch erscheinen. Und so verhält es sich auch andersherum. Sie fragen nach uns, wenn eine mal nicht da ist. Dieses Gefühl nach Geborgenheit schätzen wir alle. 

Kennengelernt haben sich die beiden bei ihrem damaligen Arbeitgeber, dem Romantikhotel Almtalhof. Michi war Restaurantleiterin und Agi Lehrling in der Küche. „Es war keine Liebe auf den ersten Blick“, lacht Michi, „denn Agi musste erst lernen, dass meine Anregungen keine Kritik an ihr, sondern berechtigt waren. Aber seit wir diesen Punkt überwunden haben, verstehen wir uns blendend.“ Die Idee zum eigenen Restaurant kam bei einem gemeinsamen Frühstück im Kaffeehaus. Das damalige Restaurant stand zum Verkauf und die beiden dachten, die Größe wäre perfekt, um das Projekt alleine zu schupfen. „Es ist immer gut, wenn du von Anfang an nicht alles weißt, sonst würde ja nie jemand etwas aufsperren. Aber durch den Rückhalt unserer Familien und Freunde, haben wir den Schritt gewagt und feiern dieses Jahr schon unser Fünfjähriges.“ 

Den Mädels war gleich klar, dass sie es auf ihre Art und Weise machen werden oder gar nicht. Ihr Fokus liegt auf saisonalen Produkten aus der Region. Wir lieben gutes Handwerk und eine klare Sprache. Die Karte wechselt jede Woche und alle Mädels aus dem Team bringen ihre Vorschläge mit ein. Meist kommt dann auch was Gescheites heraus. Manchmal schauen wir auch einfach, was Agi wieder einmal bestellt hat und das wird dann gekocht! Den Spaß und die Wertschätzung unter den Damen spürt und hört man. Wir haben das größte Glück mit unseren drei Hasen. Auch wenn eine von uns krank ist, springt eine andere von ihnen ein. 

Dieses Arbeitsumfeld möchten sie nicht mehr missen. Wir sind wie wir sind und dazu gehört auch einmal ein lautes Lachen. In einem Wirtshaus ist das möglich. Das hören wir auch am positiven Feedback unserer Gäste. Wir sind ein Ort, an dem jede/r willkommen ist. Daher stehen wir auch im engen Austausch mit unseren Gästen. Gerade seit der Teuerung fragen wir, ob sie die Preise bei uns angemessen finden und erhalten immer als Antwort, dass unsere Qualität den Preis absolut rechtfertigt. Sie kommen jetzt vielleicht nicht mehr dreimal die Woche essen, sondern nur einmal, aber dann genießen sie es umso mehr.

Der Genuss steht bei den Almwirtinnen absolut im Vordergrund. Egal ob Bier, Wein, antialkoholische Getränke, Kaffee oder der Kuchen von der Mama. Hier machen sie keine Kompromisse. Die Gäste kommen und fragen, welchen Kuchen gibt es denn heute und ich antworte, nur den einen von der Mama. Dann essen sie ihn und sagen, der schmeckt wirklich wie bei der Mama. Diese Erinnerungen sind es, nach denen wir uns alle sehnen und die uns wieder auf den Boden bringen. Das ist unser Anspruch.

Wir möchten an dieser Stelle unseren Stammgästen das größte Lob aussprechen, obwohl wir ihnen das auch wöchentlich am Stammtisch sagen, aber ohne Sie hätten wir die Coronazeit nicht überstanden. Alle haben uns soviel Take-away abgenommen, sind nach der Pandemie sofort wieder zurückgekehrt und haben sogar anfangs mehr getrunken, damit wir armen Mädels gut über die Runden kommen. 

"Wichtig ist, dass es schmeckt."

Darüber hinaus beobachten wir ein positives Umdenken der jungen Menschen in der Region. Zwei oder drei kleine Wirtshäuser, die ähnlich ticken wie wir, würden der Region extrem guttun und sie aufwerten. Zu uns reisen zum Beispiel Stammgäste aus Steyr öffentlich mit der Bahn an. Die Grünau ist ein Naturjuwel und kann soviel mehr. Das möchten wir zeigen und die Menschen zum Verweilen einladen. 

Neue Ideen holen sie sich von Pinterest, Zeitungen und Magazinen. Aber die größte Freude stellt gerade der erste, neue Thermomix dar. Ich dachte mir ja immer, wofür braucht man diese Maschine, aber all meine früheren Kollegen meinten, der ist super. Jetzt versuchen wir alles Mögliche und sind sehr begeistert. Wie vor ein paar Jahren, wie wir alle rund um den Sous-Vide-Garer standen und meinten, wird das etwas?, erzählt Agi. Wichtig ist, dass es schmeckt. Wenn wir beiden Köchinnen in der Küche einmal nicht mehr weiter wissen, dann rufen wir nach Michi und die hat durch ihre Koch- und Sommelier Ausbildung ein noch breiteres Geschmacksspektrum als wir und finalisiert uns dann das Gericht. Es ist eben wie überall bei uns, wir helfen zusammen und packen an, wo auch immer eine von uns gebraucht wird. 

Wie schmeckt eure Kindheit?

Agis Kindheit schmeckt nach dem Milchreis ihrer Oma, den sie stets ohne Rosinen als Extraportion für sie gemacht hat und dem Karottensalat der zweiten Oma, der immer in der Küche ihrer Eltern auf sie wartete, wenn sie wöchentlich aus dem Internat zurückkehrte. 

Michis Kindheitserinnerungen werden noch heute gepflegt und hochgehalten. Wir besuchten jeden Sonntag nach dem Mittagessen unsere Oma zu Kaffee und Kuchen. Dabei kochte diese zu Mittag immer soviel mehr, dass wir neun Enkerl immer eine Kostprobe am Herd vorfanden. Bis heute betrete ich das Haus meiner Eltern, sage Grias eich und gehe als Erstes in die Küche, um am Herd aus dem kleinen Topf zu kosten. Egal ob ich gerade gegessen habe oder nicht. Mein Mann sagt immer, wie unhöflich ich bin, aber seit damals gleicht dieses Ritual einem inneren Drang. 

Mit welchen Frauen arbeitet ihr gerne zusammen?

  • Johanna Rohn vom Jagersimmerl – der Biofischerei 
  • Andrea Drack mit ihrem Sunnseitgarten, einer Biolandwirtschaft und Marktgarten
  • Silvia Stadler von der Fleischerei Stadler, gleich gegenüber. Es ist beachtlich, was die beiden leisten, diese Qualität und Hilfsbereitschaft. Unglaublich.
  • Melanie Fehringer ist unsere Köchin und ein ganz wichtiger Teil unseres Kulinarikteams.
  • Gudrun Griesl. Sie hat mich mein ganzes Leben lang begleitet und war damals mitverantwortlich, dass ich meine Sommelier Ausbildung gemacht habe. Bis heute fahren wir gerne gemeinsam auf Weinverkostungen und tauschen uns aus. Ich schätze ihren Input und den wertvollen Austausch.

Welcher Spruch begleitet euch bis heute?

Keine leeren Wege!

Welche Themen sind euch wichtig?

Unsere Freiheiten als Frau sind uns sehr wichtig. Vor nicht allzu langer Zeit durften Frauen den Führerschein, ohne Zustimmung ihres Mannes, nicht machen. Heute müssen wir Frauen uns im Normalfall nicht mehr erklären, dürfen sagen, was wir möchten. Geschichtliche Größen wie Johanna von Orleans haben schon damals für unser Recht gekämpft. Ob damals alles gut war, sei dahin gestellt. Aber heute darf ich sein, wer ich will.

Kontakt

Die Almwirtinnen Michi & Agi 

Im Dorf 40

4645 Grünau im Almtal

+43 676 9105811

office@almwirtinnen.at

https://www.instagram.com/diealmwirtinnen/