Martina Payer

Produzentin und Betriebsleiterin des Simon Hofs, Kärnten

„Wir sind Wochenendlandwirte und haben spannende Produkte für die Küche gesucht, die wenig Aufwand benötigen. Dabei sind wir auf die Edelkastanie und den Tauernroggen gestoßen, der als Risotto hervorragend als heimische Alternative zu Risotto-Reis funktioniert.“

Foto © Christian Schütz
Foto © Christian Schütz
„Du selbst musst von deinen Produkten überzeugt sein, sonst hältst du das nicht durch.“

Wenn Martina von ihrem Weg erzählt, hört man sofort, wie viel Realität in diesem Satz steckt. Die Aufregung am Herd, das Hoffen, ob diese Produktinnovation wirklich funktioniert und ob es letztlich allen schmeckt. Und danach, wenn man sein Produkt zum ersten Mal aus der Hand gibt und auf ehrliches Feedback wartet. Genau dort beginnt für sie erst Erfolg.

Zwischen Forschung und Bauchgefühl

Martina ist Produzentin und Betriebsleiterin des Simon Hofs, den sie 2023 übernommen und auf Bio umgestellt hat. Gemeinsam mit ihrem Mann denkt sie Landwirtschaft nicht nur weiter, sondern auch anders. Sie beobachten zwar viel und fragen bei erfahrenen Landwirt:innen nach, aber das reicht ihnen nicht aus. Sie wollen verstehen, belegen, einordnen.

Deshalb holen sie sich die Wissenschaft auf den Hof. Beim GEOTag der Artenvielfalt etwa im Frühsommer 2026 wird in 24 Stunden alles erfasst, was auf ihrem Boden lebt. Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen. Vom Sumpf bis zum Felsen, aber vor allem auf dem Acker. Es geht ihnen darum sichtbar zu machen, was sich verändert, wenn man beginnt, anders zu wirtschaften. Und was möglich ist, wenn man der Natur wieder Raum gibt. Es soll bewusst gemacht werden, dass Kulturlandschaft und Biodiversität stark von landwirtschaftlichem Tun geprägt ist.

„Es wäre klug, Agroforst mit Wirtschaftlichkeit zu verbinden.“
Foto © Christian Schütz

Geduld, die man lernen muss

Ihr erstes Lieblingsprodukt wächst nicht von heute auf morgen. Die Edelkastanie. Vor acht Jahren als naturnahe Streuobstplantage gepflanzt sind die ersten Früchte jetzt sichtbar. Bäume, die sie einzeln umsorgen, um sie nicht an den problematischen Kastanienrindenkrebs zu verlieren. Aber auch hier forschen sie unter wissenschaftlicher Begleitung in einem landwirtschaftlichen Innovationsprojekt an einer biologischen Lösung. Landwirtschaft, die Zeit braucht und genau darin ihren Wert hat.

Als zweites Standbein haben sie den Tauernroggen wiederentdeckt. Eine alte Sorte, von der es in Österreich nur noch rund 30 Hektar gibt. Vier davon bewirtschaften sie selbst. Was daraus entstanden ist, überrascht viele.

Eine regionale Risottoalternative. Regional, nussig im Geschmack, voller Nährstoffe und mit einer Textur, die gerade in der Gastronomie begeistert, weil das Korn bei gleicher Zubereitung wie hochwertiger Risottoreis länger bissfest bleibt. Bis es so weit war, brauchte es viele Versuche mit ihrem Müllner. Schleifen, testen, verwerfen. So lange, bis es perfekt war und das Korn die richtige Menge Flüssigkeit aufnahm.

Foto © Simon Hof

Landwirtschaft weiterdenken

Martina denkt ihre Flächen in einer Kreislaufwirtschaft. Aktuell arbeiten sie an Agroforst Streifen als Bindeglied zwischen regionaler Landwirtschaft und Küche. Baumreihen, die Erosion verhindern, Nützlinge fördern, ihren Teil zum Wassermanagement beitragen und gleichzeitig Ertrag bringen können.

Ihre Frage ist dabei immer eine sehr konkrete. Was braucht die Küche wirklich. Welche Produkte würden Köch:innen abnehmen. Wie kann man Landwirtschaft so gestalten, dass sie ökologisch sinnvoll und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig ist?

„Es wäre klug, Agroforst mit Wirtschaftlichkeit zu verbinden.

Denn nur so kommen wir weg vom reinen Idealismus in kleiner Form zu Rentabilität im Alltag, die viele verstehen und gewillt sind, umzusetzen.

Foto © Christian Schütz

Mut zur Nische

Mit der Ackerbohne wagen sie sich an das nächste Thema. Eine heimische Hülsenfrucht, die in der Proteindiskussion immer relevanter wird. Für sie ein logischer Schritt. Eine Pflanze, die den Boden mit Stickstoff anreichert sowie die Bodenstruktur optimiert und gleichzeitig eine alternative, regionale Möglichkeit zum aktuellen Foodtrend schafft.

Auch ihre Ausbildung spiegelt genau diesen Zugang wider. Englisch und Medienwissenschaften, später Lebensmitteltechnologie. Eine Kombination aus Verständnis, Kommunikation und Neugier. Martina will Dinge nicht nur machen, sie will sie auch erklären können.

„Pionierarbeit ist anstrengend. Und genau deshalb muss sie glaubhaft sein.“

Warum das alles zählt

Zweimal wurde ihre Arbeit bereits mit dem Biodiversitätspreis „Die Goldenen Apis“ ausgezeichnet. Aber wenn sie darüber spricht, merkt man schnell, dass es ihr um etwas anderes geht.

Es geht um Böden, die auch ihre Kinder in Zukunft noch ernähren. Um alte Sorten, die wieder verstanden werden. Und um eine Landwirtschaft, die nicht schneller, sondern klüger wird.

Wer bei ihr am Hof steht, versteht sehr schnell, warum diese Lebensmittel ihren Preis haben. Und warum hinter jedem einzelnen Produkt nicht nur Arbeit steckt, sondern auch Haltung.

„Pionierarbeit ist anstrengend. Und genau deshalb muss sie glaubhaft sein.

Martina gehört zu denen, die diesen Weg trotzdem gehen. Schritt für Schritt. Mit Geduld, mit Neugier und mit einer Klarheit, die man nicht lernen kann, sondern sich erarbeiten muss.

Foto © SPAR Gleissfoto

Frauen, die ich toll finde:

  • Sissi Sonnleitner
  • Eva Nuart
  • Evelyn Wild

Themen, über die ich gerne spreche:

  • Innovation und Produktentwicklung von Lebensmitteln
  • Biodiversität
  • Gesunde Produkte & Ernährung
  • Natur und die Wichtigkeit von Vielfalt

Kontakt

Martina Payer

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