Marlene Kelnreiter ist Sennerin, Käserin, Autorin

Fotos: Lia Eliàs

„Zwei große Ziele standen schon immer auf meinem Wunschzettel. Entweder ich ziehe nach New York oder auf die Alm.“ Vor neun Jahren zog es sie das erste Mal auf die Alm und seit 2020 verbringt Marlene dort jeden Sommer. 

“Die Alm erdet mich, öffnet mein Herz und lässt mich sein wie ich bin!”

Als Zusennerin verbrachte die Quereinsteigerin aus der PR-Branche dann gleich einen ganzen Almsommer in den Bergen und lernte das Käsehandwerk in der Käserei. In den Folgesommern arbeitete sie mit der Milch von 350 Ziegen, die von den verschiedenen Bäuer:innen aus der Region über einen Verein auf die Alm geschickt werden. 100 Tage verbringt Marlene nun jeden Sommer auf verschiedenen Almen und übt sich in ihrem Handwerk.

Bis heute dominieren Männer die Branche, obwohl das Handwerk ein ur-weibliches war und ist.

„Beim ersten Mal alleine auf der Alm denkt man sich schon, was habe ich bloß gemacht, wenn 600 Liter Ziegenmilch vor dir stehen und du nichts falsch machen sollst“, erzählt Marlene und das Meer rauscht im Hintergrund. 

Sie absolviert gerade ein Praktikum auf einer Ziegenfinka in Teneriffa. Hier hatte sie erst letzte Woche ein Geschmackserlebnis, das sie nicht mehr vergessen wird. Wir haben ein junges Weißkraut frisch aus der Erde gezogen und einen rohen, fein geschnittenen Salat zubereitet. 

Ich habe noch nie so ein seidig, samtig anmutendes, weiches Gemüse gegessen. Dieser Geschmack hat mich umgehauen und mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig ein guter Boden, ein gutes Klima und ein wertvolles Grundprodukt sind. Zum Glücklich sein braucht es so wenig und immer guten Ziegenmist“, lacht sie.

Marlene beschäftigt sich aktuell mit ihrem „Dairy maid diary und den Meiereimädchen“, einer immer schon dagewesenen Bewegung von Frauen, die von Hof zu Hof zogen, um zu melken und Käse zu produzieren. Ihr selbst geht es beim Almsommer um das Erlernen neuer Zugänge und das eigene Austesten ihrer Komfortzone.

"Zum Glücklich sein braucht es so wenig und immer guten Ziegenmist."

Mittlerweile hat sie ihr erstes Buch im Löwenzahn-Verlag geschrieben, bei dem es um Almgeschichten und Milchverarbeitungsrezepte für zu Hause geht. Zwischen den Almsommern hält sie Käse-Kochkurse für Interessierte ab. Aktuell interessieren sie die historischen Bewegungen starker Frauen und deren Diskrepanz in ihrer Darstellung nach außen. Bis heute dominieren Männer die Branche, obwohl das Handwerk ein Ur-weibliches war und ist. Auch bei diesem Projekt möchte sie sich selbst weiterentwickeln und sucht dabei nach ihrer eigenen Stimme. Ihre Texte verfasst sie am liebsten im Prosa. Nachzulesen auf marlene-kelnreiter.at

Auch dieses Jahr hat sie wieder die Sehnsucht nach der Natur, den Tieren, dem Handwerk und der intensiven Körperarbeit gepackt und sie kehrt auf eine ihr bekannte Alm zurück.

“Ein Handwerk ist deshalb so befriedigend, weil du unmittelbar ein Ergebnis siehst, egal ob gut oder schlecht.”

Mit welcher Frau würdest gerne an einem Tisch sitzen und plaudern?

Hach, es gibt so viele beeindruckende Frauen, aber wenn ich mich für eine entscheiden müsste, dann ist das vielleicht Malin Elmid. Durch ihr „The Bread Exchange“ Projekt, mit dem sie vor circa 10 Jahren bekannt wurde, kam ich erstmals in Kontakt mit den Themen (weibliche) Lebensmittelproduktion im urbanen Raum, wobei mich nicht nur das unabhängig machen vom Angebot am Massenmarkt begeistert hat, sondern auch all die Geschichten, die sich hinter Nahrungsmittelherstellung und -austausch verbergen: Das ist ja auch, was mich am Erkunden von Käseproduktionen im nicht nur alpinen Raum neben dem Handwerk und dem Produkt so reizt: wie Lebensmittel die Menschen miteinander und mit der Natur verbinden.

Kontakt

Marlene Kelnreiter
www.marlene-kelnreiter.at

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