Laura Wolfsteiner

Slow Food – Bio-Bäuerin, Illustratorin, Designerin

„In Zukunft möchte ich meine Leidenschaft zur Innenarchitektur mit unserem Essen zu kombinieren. Als Gastgeberin gestalte ich bewusst eine Atmosphäre und überlege im Vorfeld, wie der Abend verlaufen soll. Diese Stimmung gepaart mit gutem Essen lässt mein Herz höher schlagen“ 

Foto © Karin Stöttinger
Foto © Laura Wolfsteiner

Laura Wolfsteiners Stärke ist ihre Empathie und die Zeit, die sie allen BesucherInnen am Hof schenkt. Wir bewirtschaften unseren Hof in einer Kreislaufwirtschaft. Dieses Wissen gebe ich gerne weiter und zeige, wie es bei uns auf unseren Feldern funktioniert. Nicht nur für eine gemeinsame, nachhaltige Zukunft, sondern auch zur Wissensvermittlung in Bezug auf die Preisgestaltung ihrer Produkte. Unsere Zebus dürfen bei uns drei Jahre auf der Weide stehen, bevor eines geschlachtet wird. Der Verkauf erfolgt rein über Newsletteraussendung und das Tier ist eigentlich schon im Vorhinein verkauft. Laura hasst nichts mehr als Verschwendung.

Foto © Laura Wolfsteiner

Laura Wolfsteiner studierte transmediale Kunst bei Brigitte KowaNz an der Angewandten in Wien und schnupperte gleich danach noch ins Industrial Design Studium hinein. Ein Studienprojekt begeisterte sie so sehr, dass daraus die Postkarten-Buch-Serie „Wiener Wörter“ entstand.

Auch ihre Liebe zur Innenarchitektur ist im bereits fertig umgebauten Hofladen, dem ehemaligen Hühnerhaus schon spürbar. Aktuell stecken sie mitten in der Großbaustelle, aber schon jetzt ist zu erahnen, wie wundervoll der reduzierte Stil am gesamten Hof aussehen wird. Wir sind gespannt! Ein Kleinod inmitten der Felder, inmitten einer Wohnsiedlung außerhalb von Linz. 

Foto © Laura Wolfsteiner

FLASHMOST – ausgsteckt is – eine Buschenschank auf Wanderschaft

So beschreibt Laura ihre Vision der Buschenschank, ihrer Zukunft. Wir möchten bestimmen, wann etwas und was passiert. Warum? Weil die Landwirtschaft einerseits ziemlich umfangreich, wetterabhängig und nicht so gut „planbar“ ist und andererseits schätzen sie es sehr, dass sie aktiv Zeiten definieren, in denen sie ihren Hof öffnen, aber auch schließen können. Vom Themenabend mit Griechenlandbezug bis hin zu eigenen kreativen Ideen wird es zukünftig kulinarische Flashmobs bei ihnen am Hof geben. 

In ihrem Biobetrieb setzen sie auf die Schwerpunkte Ackerbau, Agroforst und Viehzucht der vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen wie den Mangalicaschweinen, den Krainer Steinschafen und den Zwergzeburindern. Alle Tiere stammen aus eigener Zucht, leben in ganzjähriger Weidehaltung und alle Futtermittel entstammen ihrer eigenen Erzeugung. Um auch die Schlachtung stressfreier zu gestalten wird gerade ein hofeigener Schlachtraum errichtet – was zusätzliche Möglichkeiten zum Experimentieren bietet (z. B. längere Reifezeiten als beim Metzger, Warmwursten, etc.). Laura bezeichnet sich selbst als kleiner Nerd, wenn es um Dinge geht, die sie lernen möchte. Aktuell besuchte sie eine Fortbildung über Rindfleischqualität. Vermarktet wird das Fleisch und die verarbeiteten Wurst- und Räucherwaren bei ihnen ab Hof.

Foto © Laura Wolfsteiner

Privat bewegt sie gerade das Thema Pasta! Dafür kocht sie sich quer durch das Kochbuch Pasta von Anna Pearson und testet die Mehl- und Hartweizengrießsorten aus eigenem Anbau. „Unser Ackerbau ist sehr divers, es gibt eine 8-jährige Fruchtfolge, das heißt, dass wir sehr viele verschiedenen Kulturen (nicht nur Weizen u Dinkel) anbauen, die jährlich variieren. Der Großteil der Ernte (ca. 90 %) wird an die Vertragspartner geliefert, den ‚Rest‘ nutzen wir als Futtermittel bzw. lassen wir zu Schäl- und Mahlprodukten vermahlen (Weizen, Dinkel, Buchweizen, Roggen, gelegentlich Einkorn), bzw. sind wir gemeinsam mit einem befreundeten Bierbrauer, der seine eigene Brauerei gegründet hat und unsere Rohstoffe bezieht, am Tüfteln, wie wir unser eigenes Bier aus unserer Braugerste erzeugen können.“

„Nachdem unsere Kund:innen auch immer wieder den Qualitätsunterschied bestätigt haben, fragte ich bei unserem Müller nach, worin dieser besteht.“

Auf die Frage, welcher Geschmack sie als letztes berührt hat, antwortet sie lächelnd: „Der unseres eigenen Mehls. Das mag komisch klingen, aber wir haben erstmals Getreide zum Eigenbedarf in einer Bio-Mühle mahlen lassen und es schmeckt anders und verhält sich auch beim Kochen so! „Nachdem unsere Kund:innen auch immer wieder den Qualitätsunterschied bestätigt haben, fragte ich bei unserem Müller nach, worin dieser besteht. Er erwiderte schlicht, dass nur ein gutes Rohprodukt ein gutes Mehl ausmacht. Da wir aber nicht denken, dass wir ein so exorbitant herausragendes Getreide produzieren, habe ich natürlich noch genauer nachgefragt, was sonst noch der Unterschied sein könnte?  Wie ich mir gedacht habe, geht es natürlich auch viel um die Handhabung des Getreides in der Mühle selbst. Dieses wird immer wieder transportiert und beim Verarbeiten auch erwärmt. Das heißt, je schonender und kühler, desto besser für das Endprodukt. Es dürfte also schon auch an der Technik der Mühle und dem Können des Müllers liegen“, lacht Laura. 

Foto © Laura Wolfsteiner
Foto © Laura Wolfsteiner

Mehl ist für Laura ein essenzielles Grundnahrungsmittel und sollte jedem in guter Qualität zu einem erschwinglichen Preis zugänglich sein. Dafür nimmt sie gerne geringere Gewinnspannen in Kauf, die sich aus den Kleinmengen und dem Mehraufwand naturgemäß ergeben. 

Fleisch ist für Laura dagegen ein Luxusgut, das man sich ab und an leisten kann, aber nicht zwingend muss. „Wir als Gesellschaft sollten viel weniger Fleisch konsumieren und wenn, dann aus einer guten, artgerechten Haltung, das regional produziert wurde. Genauso wie das verwendete Futtermittel. Wir schätzen uns sehr glücklich, dass viele unserer Kund:innen die Art der Tierhaltung genauso wertschätzen und unseren Ansatz, von lieber weniger Fleisch, dafür Gutes, teilen.“

Welche Frauen in der Kulinarik Branche findest du toll?

Zuletzt begeistert hat mich ein Gespräch mit Renate Höglinger, Bio-Fleischerei Inhaberin aus dem Mühlviertel. Ihre ehrlichen Antworten und der Austausch im gleichen Fachgebiet haben mich nachhaltig beeindruckt. 

Neben ihr würde ich noch gerne mit Anna Pearson an einem Tisch sitzen, um meine Pasta Künste zu verfeinern und 

last but not least würde ich gerne mit Katharina Seiser plaudern. Mir imponiert ihre akribische Recherche, ihre präzisen Angaben, ihr unglaubliches Wissen gepaart mit ästhetischem Anspruch. Und dabei ist sie auch noch sehr sympathisch!

Themen

  • Wertschätzung, Produktion, Kaufentscheidung, Kundenverhalten, Tierwohl, Landwirtschaft zwischen Stadt & Land
  • Wertschätzung gegenüber den Landwirt:innen
  • Qualität und Genuss der Produkte

Kontakt

Laura Wolfsteiner

Grünburgstraße 30

4060 Leonding

 

hallo@chrisundlaura.at

www.chrisundlaura.at

 

+43 664 9870157