Lakhi Dass
Eigentümerin und Köchin, Lakhi’s Indian Kitchen und Food-Truck, Salzburg
„Essen ist die Energie, die unser Körper braucht. Dieser muss zu 100% gut genährt werden. Wenn auch nur ein Tropfen täglich nicht passt, geraten wir aus unserem Gleichgewicht.“
Fotos © Lakhi Dass
Energie, Balance und der Mut, Neues zu wagen
Wenn Lakhi über Essen spricht, geht es um viel mehr als nur Geschmack. Für sie ist Nahrung pure Energie und Balance. Was wir essen, prägt, wie wir uns fühlen.
Dass sie ihren eigenen Weg gehen würde, stand für sie früh fest. Die Selbstständigkeit war keine Option, sondern eine Selbstverständlichkeit. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie zunächst als Buchhalterin, merkte jedoch schnell, dass Zahlen sie nicht erfüllen würden. Es zog sie magisch in die Gastronomie.
Um das Handwerk von der Pike auf zu lernen, arbeitete Lakhi sieben Jahre lang im Schloss Aigen. Neben ihrem Vollzeitjob übernahm sie dort jede freie Aufgabe in Service, Küche und Organisation. „Diese Zeit war ein Segen für mich. Ich habe lieber strenge Lehrer, von denen ich etwas lerne, als lässige.“ Als Autodidaktin überlässt sie nichts dem Zufall: Sie beobachtet, analysiert und verfeinert ihre Fähigkeiten, bis jeder Handgriff sitzt.
Der Mut, anders zu denken
2017 kaufte sie ihren ersten Foodtruck und sicherte sich mit viel Beharrlichkeit einen Platz am Salzburger Mirabellplatz. Die Anfangszeit war eine Herausforderung, denn indisches Essen war für viele Einheimische noch ungewohnt. Doch Lakhi zweifelte nicht. Sie bot Caterings in der Filmbranche an, versorgte ganze Filmcrews und ihr guter Ruf sprach sich schnell herum. Innerhalb eines Jahres wuchs ihr Konzept auf mehrere Trucks an.
Ein Schlüsselmoment prägte ihren Weg besonders: Bei einer Jägermesse, umgeben von klassischen Burger-Trucks, wollte zunächst niemand ihre Currys probieren. „Niemand wollte mein Essen, und mein indisches Herz hat geblutet“, erinnert sie sich. Statt aufzugeben, reagierte sie flexibel. Sie besorgte sich Brötchen vom Nachbarstand und kreierte spontan einen Burger mit indischen Aromen. Der Plan ging auf: Die Gäste wurden neugierig, kosteten und blieben. Bis heute finden sich diese Kreationen auf ihrer Karte – als herzliche Einladung für alle, die sich langsam an neue Gewürze herantasten möchten.
Als die Belastung zu groß wurde, zog sie bewusst die Reißleine. „Ich habe gemerkt, dass ich mich nicht klonen kann.“ Sie reduzierte ihr Business wieder auf einen einzigen Truck, um sich ganz auf die Qualität zu konzentrieren.
Ein Ort mit Haltung
Während der Coronazeit und parallel zu ihrer Mutterschaft entstand die Idee für ihr erstes eigenes Restaurant. Gemeinsam mit ihrem Mann und einem Freund schuf sie einen Ort, der bewusst mit Klischees bricht: klar, reduziert und modern. „Ich wollte keinen kitschigen Kulturschock, sondern ein Gefühl, das überrascht.“
Heute ist das Lokal mit seinen 80 Sitzplätzen jeden Abend voll besetzt. Lakhi nimmt diesen Erfolg keineswegs als selbstverständlich. Sie ist präsent, kostet und greift feinfühlig ein, wenn eine Kleinigkeit auf dem Teller fehlt. Ihr Ziel ist es, dass jede Gästin und jeder Gast das Restaurant glücklicher verlässt, als sie es betreten haben.
Ihr feines Gespür zeigt sich auch in ihrer Küche. Nachdem ihre Wraps damals den Anfang machten, arbeitet die zweifache Mutter heute an indisch inspirierten österreichischen Rouladen. Auch ein indisch gedachtes Sushi ist eine ihrer Zukunftsvisionen, über die sie schmunzelnd sagt: „Aber da sind wir noch weit weg von einem perfekten Ergebnis.“
Zwischen Tradition und Verantwortung
Während die meisten Menschen die nordindische Küche mit Klassikern wie Butter Chicken verbinden, fasziniert Lakhi aktuell die von Meeresfrüchten und Fermentierung geprägte südindische Küche. Bis ein neues Gericht auf der Karte landet, vergehen oft Monate intensiver Recherche. Unterstützt wird sie dabei von ihrem rein indischen Team, das monatlich frische Gewürze direkt aus der Heimat mitbringt.
Die Zusammenarbeit im Team basiert auf vier Säulen: Bezahlung, Anerkennung, Respekt und Zugehörigkeit. „Bei uns sind alle gleich. Jeder macht alles. Auch ich.“
In den letzten Jahren hat sich Lakhi zudem intensiv mit Ayurveda und ganzheitlicher Ernährung beschäftigt. Gutes Essen ist für sie eine Frage der Selbstfürsorge: „Niemand kommt, um dir zu helfen. Auch nicht dein Arzt. Du musst selbst anfangen, auf deinen Körper zu hören.“ Ihr eigener Tag beginnt daher immer mit einer nährenden Routine aus Nüssen, Samen, Gewürzen und Joghurt. Eine einfache Routine, die ihr Kraft für ihren Tag gibt.
Lakhi glaubt nicht an kurzlebige Trends, sondern vertraut auf Handwerk, Erfahrung und Intuition. Ihre Motivation ist nach wie vor ungebrochen: „Meine Flamme brennt immer noch so heiß wie am ersten Tag.“ Sie möchte mit ihren Speisen Menschen nicht nur satt machen, sondern ihnen ein gutes Gefühl und ein neues Bewusstsein dafür schenken, was uns wirklich nährt.
„Wir können alles schaffen, müssen jedoch den Mut aufbringen, es zu probieren, denn wer nicht fällt, hat keine Wunden, die einen daran erinnern, aufzustehen und beim nächsten Mal nicht gleich zu fallen.“
Frauen, mit denen du dich gerne austauschen würdest?
Mit all den Frauen, die den Mut hatten, etwas Außergewöhnliches zu wagen.
Themen, über die du gerne sprichst:
- Ernährung
- Wirtschaft
- Geschäftsideen
Kontakt
Lakhi Dass
Lakhi’s indian kitchen
Frohnburgweg 5
5020 Salzburg
+43 664 1674222