Katrin Wondra

Köchin, Inhaberin und Gastgeberin im Maka Ramen, Wien

„Tolle Frauen bilden bis heute den roten Faden in meinem Leben. Mich fasziniert, woher ihre Energie und kreativen Ideen kommen.“

Fotos © Maka Ramen

 

So farbenfroh wie Katrin, so bunt und aufregend ist auch ihr Leben. Anstatt mit zehn Jahren zur Kirchweih zu gehen, wurde Katrin von ihrer Mutter mit nach London genommen, um ihren Geist für die Welt und die Kunst zu öffnen. Dort besuchten sie eine Ausstellung von Vivienne Westwood und Katrin wusste: “Ich möchte Designerin werden.”

"Unser Team ist uns das wichtigste. Ich freue mich täglich, sie zu sehen. Ihre Begeisterung und Liebe zu unserem Konzept ist ansteckend."

Zurück in Nürnberg begann sie selbst Kleider zu entwerfen und schrieb kurzerhand ihrem Vorbild einen Brief. Vivienne Westwood antwortete wirklich persönlich. „Der Brief hängt bis heute gerahmt in unserem Schlafzimmer. Vivienne schrieb, man solle immer vibrierend und offen durchs Leben gehen, das Lesen von Büchern jedem Film vorziehen, genauso wie das Theater einem Kinofilm. Außerdem ist die eigene Bildung sehr wichtig. Daraufhin habe ich ihr jedes Jahr einen Brief geschrieben und Vivienne antwortete stets. Ich lasse einfach nicht locker“, lacht Katrin. Mit 15 Jahren bewarb sich Katrin für eine Praktikumsstelle bei Vivienne in London, wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und begann mit 18 Jahren ihren ersten Job. „Ich durfte eineinhalb Jahre an Viviennes Seite arbeiten, lernte, wie einzelne Kreationen und ganze Kollektionen entstehen. Den Abschluss bildete die Pariser Fashion Week. Ich war so begeistert, dass ich an das Praktikum einen Portfoliokurs an einer Modeschule in London anhing.“

„Jeder hatte hier plötzlich seinen Platz, egal wie oder was er war.”

„Die Zeit hat mich viel zum Nachdenken angeregt und nachts arbeitete ich in einer Gypsy-Jazzbar unter meiner Wohnung. Das Praktikum war natürlich unbezahlt und ich musste irgendwie mein Leben finanzieren. Hier kam ich das erste Mal mit der Gastro in Verbindung. Was für eine wilde, aufregende Zeit! Ich merkte schnell, dass ich ein zu Hause gefunden hatte. Hier arbeiteten die schrägsten Menschen miteinander, vom Ayurveda Masseur, über Hochintellektuelle bis hin zu den Kreativen. Jeder hatte hier plötzlich seinen Platz, egal wie oder was er war. Die Leute haben mich mitgerissen und mir war bald klar, wie ich zukünftig arbeiten möchte: wertschätzend, eingebettet in einem sozialen Umfeld und unvoreingenommen gegenüber anderen Menschen. All diese Attribute waren schwer für mich in der Mode zu finden, deshalb habe ich mich damals schweren Herzens gegen die Mode entschieden.“

„Da ich schon immer meine Gedanken und Wünsche auf Listen festhielt, fand ich eines Tages eine meiner Notizen wieder. Auf der stand: Kostenloses Tellerwaschen. Spontan rief ich in einem Restaurant in Nürnberg an und stand schon am nächsten Tag in der Küche. Je mehr Teller ich schrubbte, desto mehr fand ich zu mir zurück. Mir wurde klar, wer ich bin und was ich möchte. Während der Arbeit nahm mich der damalige Küchenchef mit zu den Desserts und ich spürte plötzlich das gleiche Gefühl wie damals als Zehnjährige in der Ausstellung über Viviennes Werke. Am Ende der Woche unterzeichnete ich meine Ausbildungsunterlagen und begann die Ausbildung zur Köchin!“ 

Kurz darauf kehrte auch ihr damaliger Kollege und heutiger Lebensgefährte und Geschäftspartner Max aus dem Urlaub zurück und ihre aufregende und wundervolle Reise begann. Gemeinsam stürzten sie sich nach der abgeschlossenen Ausbildung in das Projekt „La Petite Ferme“ in London, in dem sie von der Planung der Küche bis hin zur französischen Speisekarte alles selbst übernehmen durften und das im zarten Alter von 21 Jahren. Sehr erfolgreich. Das Restaurant besteht bis heute. 

Katrins Eltern hegten jedoch stets den Wunsch, ihre Tochter als Ärztin zu sehen und so verschlug sie der Zufall nach Wien. „Für die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium in Deutschland hatte ich einfach zu schlechte Noten und so versuchte ich mein Glück in Wien, wo ich glücklicherweise auch abgelehnt wurde“, lacht die heutige Restaurantbesitzerin, „aber dieses Scheitern brachte meinen Partner und mich in diese Stadt und statt des Medizinstudiums schloss ich ein Finanzstudium ab. Danach begann ich bei Haya Molcho zu arbeiten.“

“Tolle Frauen bilden bis heute den roten Faden in meinem Leben."

„Mich fasziniert, woher ihre Energie und kreativen Ideen kommen. Jeder kann Sachen kopieren, aber die wahre Gabe ist herauszufinden, woher und wie die endlose Quelle an kreativen Impulsen entsteht. Gemein haben alle ihre innere Ruhe. Ich glaube, daraus ziehen sie ihre Kreativität. Gleichzeitig haben sie Mut zu Fehlern, aus denen sich immer wieder neue Wege ergeben. Das bewundere ich sehr!“ 

Mit Maka Ramen ist Katrin endlich dort angekommen, wo sie ihr Leben lang sein wollte. “Hier kann ich all meine Erfahrungen, Talente und Ideen miteinander kombinieren und es besteht genügend Raum, um weiterhin zu wachsen.“

Warum Ramen?

„Mein Partner Max ist der geborene Koch. Er beschäftigt sich mit nichts anderem als den Produkten, dem Kochen und Essen. Max lebt und liebt dieses Thema. Sein Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung brachte ihn dann drei Monate vor dem ersten Lockdown nach Japan. Die dortige Art zu kochen und ein Gericht als Lebensaufgabe zu perfektionieren, entsprach genau seinen Vorstellungen. Dann kam der Lockdown und er saß alleine in Quarantäne in seiner Wohnung in Wien. Schon am zweiten Tag rief er mich an und bat um alle Zutaten für Ramen und Kimchi. Nach drei Tagen saß ich dann im Stiegenhaus vor seiner Tür und schlürfte Ramen. Sie schmeckten vorzüglich. Wir hatten 50 Portionen übrig und auf gut Glück stellte ich sie auf Instagram. Am Abend waren alle Ramen verkauft. Das Feedback war so positiv, dass wir beide in diesem Moment wussten, das ist unser Weg. Hier sind wir richtig.“

Sie fanden eine komplett heruntergekommene Bude im 7. Bezirk und renovierten gemeinsam, ohne Vorkenntnisse, das Lokal. Das Maka Ramen wird seit der Eröffnung sehr gut angenommen und sie freuen sich jeden Tag aufs Neue, diesen Schritt gegangen zu sein. „Unser Team ist uns das wichtigste. Ich freue mich täglich, sie zu sehen. Ihre Begeisterung und Liebe zu unserem Konzept ist ansteckend. Jetzt möchte ich selbst weitergeben, was ich damals von Vivienne und Haya gelernt habe.” 

Kulinarisch berührt …

„ … hat mich zuletzt eine Pansarotti in Süditalien. Das Lokal war kein Highlight. Man betrat es durch einen Perlenvorhang, das Licht war diffus. Aber dann kam diese frittierte, eingeklappte Pizza in meine Hand. Zubereitet mit Milch und Hefe und ein Engelschor ertönte in meinem Kopf, einfach unbeschreiblich gut.“ 

Zu Hause wünsche ich mir von meiner Mama Schinkennudeln mit Gurkensalat und Mousse au Chocolat zum Nachtisch. Beides verspeisen wir dann ganz traditionell vor dem Fernseher. Dieses Gericht bedeutet für mich Liebe und Sicherheit.

Mit welcher Frau aus der Kulinarik Branche arbeitest du jetzt schon gerne zusammen?

  • mit Haya Molcho

Mit welcher Frau würdest du gerne an einem Tisch sitzen und dich austauschen?

  • mit den Künstlerinnen Tracey Emin und Yayoi Kusama
  • mit der Schauspielerin Helen Bonham Carter, weil sie eine ganz faszinierende, unkonventionelle Person ist. 
  • wenn es noch möglich wäre, mit Frida Kahlo.

All diese Frauen haben extrem an sich selbst gearbeitet und stehen für sich selbst ein. Deshalb ist jede Einzelne von ihnen so erfolgreich.

Themen:

Ich bin gerne offen für alles. Nachhaltiges, ethisches Wirtschaften interessiert mich genauso wie neue Ideen und Strukturierungen von Unternehmen, die Outside the Box denken. 

Kontakt

Katrin Wondra

Maka Ramen

Wimbergergasse 41/1

1070 Wien

contact@maka-ramen.at

+43 677 631 09 067

https://www.maka-ramen.at/