Katrin Strohmaier
Winzerin und Produzentin, Pölfing-Brunn, Steiermark
„Ich wollte keinen Wein machen, den es so schon gibt. Meine Vision war ein neues Produkt mit eigener Geschmacksidentität und nachhaltiger, steirischer Herkunft.“
Fotos © Koerbler
Wenn „Miss Rosy“ im Glas landet, schmeckt man den puren Geschmack der Steiermark und entdeckt ein authentisches Statement zu kompromissloser Regionalität. Katrin hat ihren Schilcher-Wermut „Miss Rosy“ als Kreislaufprodukt gedacht, bei dem die Nachhaltigkeit kein Marketing-Slogan ist, sondern gelebtes Handwerk. Die Schilcher-Trauben wachsen im eigenen Weingarten der Familie, der Basiswein wird im elterlichen Betrieb gekeltert und selbst die zehn geheimen Kräuter stammen ausnahmslos in getrockneter Form aus der direkten steirischen Nachbarschaft. Weil jeder Produktionsschritt bis zur Abfüllung komplett in den Händen der Familie bleibt, ist die Wertschöpfung lückenlos transparent.
Dieses feine Zusammenspiel aus Herkunft und Handwerk besticht in der Gastronomie als charakterstarker, regionaler Aperitif. Die perfekte Inszenierung des Wermuts ist denkbar simpel: Die Flasche muss eisgekühlt sein. Pur auf Eis genossen, mit Tonic oder Mineral/Soda aufgespritzt, entfaltet der Schilcher-Wermut eine appetitanregende, leicht bittere Note. Die weiße Variante harmoniert perfekt mit Mineralwasser. Mit seinen moderaten 15 bis 18 Volumenprozent bringt der Wermut eine aromatische Leichtigkeit mit, die Gästen im Vergleich zu harten Spirituosen wie Gin viel Raum lässt.
Die Vision und der Keller
Hinter dieser flüssigen Visitenkarte steckt die Entschlossenheit einer 27-jährigen Winzerin, die den elterlichen Betrieb in der zweiten Generation mitführt – allerdings nicht, um einfach nur das Erbe zu verwalten. Ihre Idee für den ersten Schilcher-Wermut der Region war eine bewusste Entscheidung. Unterstützt mit dem Wissen und Freiraum ihrer Eltern, hat sie das Projekt von der ersten Idee im eigenen Keller bis zum fertigen Produkt konsequent allein durchgezogen.
Nach ihrer Ausbildung an der HLW Deutschlandsberg und dem Weinbaukollege in Silberberg stand für Katrin fest, dass sie eine unbesetzte Nische suchen wollte. Was folgte, war kein glücklicher Zufall, sondern monatelange Präzisionsarbeit, umgeben vom Duft verschiedenster Kräuter. Mit einer kleinen Goldwaage balancierte sie die Botanicals auf das Zehntelgramm genau aus. Über 100 Testrezepturen in Ein-Liter-Flaschen waren nötig, bis die Bitternote des Wermutkrauts exakt mit der urtypischen Säure des Schilchers harmonierte. Dieses konsequente Denken zog sie auch beim Äußeren durch: Gemeinsam mit einer Grafikerin aus der Region brach sie radikal mit dem traditionell dunklen, schweren Flaschen-Image der Kategorie. Das Ergebnis ist ein minimalistischer, zeitloser Look, der die leuchtende Farbe des Produkts ins Rampenlicht stellt.
Die Haltung im Markt
Der Marktstart im März 2020 fiel exakt mit dem ersten Lockdown zusammen. Doch anstatt abzuwarten, stellte die Familie sofort auf Online-Verkauf und Direktvertrieb um. Als Anfang 2021 die Medien auf die junge Innovationskraft aufmerksam wurden, explodierte die Nachfrage.
Aus einer tiefen Überzeugung heraus erfolgt der Vertrieb bis heute ohne Umwege direkt an kleine Vinotheken, den eigenen Ab-Hof-Verkauf und die Gastronomie, die Geschichten auf dem Teller und im Glas schätzt. Auf den Karten der Bars und Restaurants sucht Katrin eine ganz bestimmte, verändernde Rolle: Sie möchte den allgegenwärtigen, industriellen Aperol in den Gläsern durch ihre handwerkliche Alternative ersetzen. Es geht ihr dabei um eine positive Bereicherung der Barkultur – um zu zeigen, dass ein moderner Aperitif durch ehrliche, heimische Bitterstoffe und eine fein ausbalancierte Süße viel tiefgründiger schmecken kann.
Mittlerweile teilt sich die 27-Jährige die Produktionsverantwortung auf Augenhöhe mit ihrem Vater. Dass er stolz darauf ist, wie der Wermut ihren traditionsreichen Betrieb belebt, ist für sie der schönste Beweis, dass der Mut belohnt wurde. Ihr Rat an die nächste Generation von Absolventen ist so simpel wie wahr:
"Man braucht Mut, einen Funken jugendlichen Leichtsinn und das Durchhaltevermögen, im entscheidenden Moment einfach ein bisschen länger an der eigenen Vision dranzubleiben als die anderen."
Frauen, mit denen du gerne zusammenarbeitest?
Es ist schwierig, genau ein oder zwei Frauen zu nennen, mit denen ich gerne zusammenarbeite. Ich habe darüber tatsächlich lange nachgedacht. Am Ende bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass es gar nicht die eine oder andere Frau ist, mit der die Zusammenarbeit besonders Spaß macht.
Oft ist es einfach die Leichtigkeit, die hinter vielen der Frauen steckt, mit denen ich arbeite. Egal, ob das meine Ansprechpartnerin bei der Etikettenbestellung ist oder jemand bei einer Veranstaltung. Ich finde, wir Frauen merken immer mehr, wie sehr es hilft, sich gegenseitig zu unterstützen. Und genau da fängt für mich gute Zusammenarbeit an.
Es ist die Unterstützung, die man von anderen Frauen bekommt – nicht der Neid, sondern die Freude, wenn etwas gut läuft. Da bin ich wirklich gesegnet, einige tolle Frauen in meinem Umfeld zu haben. Egal ob Winzerkollegin, Partnerin in der Gastronomie oder in anderen Bereichen. Diese gegenseitige Unterstützung und das Miteinander schätze ich sehr.
Frauen, mit denen du dich gerne einmal austauschen würdest?
Eine Frau, mit der ich mich sehr gerne einmal austauschen würde, ist Michaela Honies.
Mich fasziniert vor allem, wie man es schafft, eine klare Exklusivität und Luxuswirkung aufzubauen und auch konsequent nach außen zu tragen. Gerade im Eventbereich ist das extrem wichtig, weil es sehr stark um Emotion, Inszenierung und das gesamte Erlebnis geht.
Das ist auch etwas, das mich mit meinem eigenen Produkt, dem Wermut Miss Rósy, beschäftigt. Wie schafft man es noch größer zu denken. Miss Rósy hat eine große Bühne verdient.
Themen, über die du gerne sprichst?
Ich spreche leidenschaftlich gerne über meinen Wermut Miss Rósy, weil ich die Produzentin bin und mich mit dem Thema sehr intensiv beschäftige. Aber eigentlich geht es dabei für mich um viel mehr als nur um das Produkt selbst. Ich spreche gerne darüber, wie aus einer Idee eine Marke entsteht und wie man den Mut findet, neue Wege zu gehen. Gerade in einer Branche, die oft von Tradition geprägt ist, finde ich es spannend, neue Ideen einzubringen und etwas Eigenes aufzubauen.
Außerdem interessieren mich die Themen Frauen in der Wein- und Genussbranche, Netzwerke und gegenseitige Unterstützung. Ich finde, wir können viel voneinander lernen und gemeinsam oft mehr erreichen.
Kontakt
Katrin Strohmaier
Miss Rósy Genuss KG
Brunn 41
8544 Pölfing-Brunn
+436648637733