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Helena Lageder
Winery/Weingut Alois Lageder, Südtirol
„Wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen die Natur. Diese Philosophie wurde uns schon als Kinder von meiner Großmutter mitgegeben, die ihren Gemüsegarten biodynamisch bewirtschaftet hat. Es geht um Respekt, um Naturnähe und um gesunde Landwirtschaft.“
Inmitten der Südtiroler Weinberge, in einem sorgsam umgebauten Gebäude aus dem 13. Jahrhundert, liegt das Paradeis. Es ist das gastronomische Herzstück des Weinguts Alois Lageder, für das Helena Lageder heute die Verantwortung trägt. Mit rund 90 Mitarbeitenden ist der Betrieb ein dynamisches und lebendiges Unternehmen, das trotz seiner Größe eine tiefe Verbundenheit zur Region und zur Familie bewahrt hat. Dass Helena heute hier steht, war nicht selbstverständlich. Ihr Weg führte sie erst weit weg, bevor sie die Faszination für das elterliche Erbe ganz neu für sich entdeckte.
Wenn die Weinberge rufen
Alles begann im Jahr 2007 mit einem Filmkurs in einem Sprachcamp, einer Idee ihrer kreativen Mutter. Helena entwickelte schnell eine Leidenschaft für Film und Theater. Da es in Südtirol damals kaum Ausbildungsmöglichkeiten in diesem Bereich gab, verließ sie mit 16 Jahren ihre Heimat. Die nächsten zehn Jahre verbrachte sie in internationalen Metropolen wie London, New York, München und Berlin, studierte Film und arbeitete in der Filmproduktion, unter anderem als Regieassistenz sowie im Kamera- und Castingbereich.
Doch mit der Zeit wurde ihr klar, dass sie sich eine Aufgabe wünschte, bei der sie langfristig etwas mitgestalten konnte.Die Heimat holte sie schließlich 2019 zurück. Helena stieg in das Familienweingut ein und erkannte schnell ihre Chance: Sie kombinierte die kreative Kommunikation der Filmwelt mit der oft noch konservativen Weinvermarktung in Italien. Mit dem Mut, Wein anders zu denken und zu vermitteln, zeigte sie, dass Freiheit, Diversität und Naturnähe die perfekte Basis für ein modernes Weingut bilden.
Das Weingut nutzt bewusst die geologische Vielfalt Südtirols mit seinen unterschiedlichen Böden, Höhenlagen und Mikroklimata. Das Portfolio spiegelt diese Lebendigkeit in verschiedenen Facetten wider:
- Das Hauptsortiment: Klassische und fest etablierte Weine wie der Löwengang Chardonnay, der den Ruf des Hauses seit fast 40 Jahren prägt.
- Die Kometen-Linie: Experimentelle Weine für Entdecker. Manchmal schießt man dabei laut Helena übers Ziel hinaus, doch oft entstehen extrem gelungene Kreationen, die wiederum das Hauptsortiment inspirieren.
- Misto Mare: Ein Wein, der als Brücke für Partnerbetriebe fungiert, deren Weinberge sich noch in der Umstellung zur biologischen Landwirtschaft befinden. Er steht für starke Partnerschaften und Weitblick.
- Rosso Mosso: Ein roter Schaumwein, der die Wahrnehmung von Rotwein neu definiert, indem er Frische und Lebendigkeit ins Glas bringt.
Weinvermarktung in Asien
Als Helena 2018 den Export übernahm, startete sie vor allem in Asien, was sie vor völlig neue Herausforderungen stellte. Während man in Europa gewohnt ist, mit Fachleuten über technischen und theoretischen Diskurs zu sprechen, traf sie beispielsweise in Thailand auf Mitarbeitenden der Verkaufsteams ihrer Importeure, die zuvor in ganz anderen Branchen tätig gewesen waren – etwa in der Kosmetik.
Ihr Ansatz änderte sich radikal. Es ging fortan nicht mehr um Fachwissen, sondern um persönliche Beziehungen und darum, das Thema auf die einfachste Weise über gesunde Landwirtschaft zu erklären. Unter dem Slogan Diversity is Key entstand eine Broschüre, die den biodynamischen Ansatz so vermittelt, dass er vom Experten bis zum Laien für jeden verständlich ist.
Mit der Natur, nicht gegen sie
Die biodynamische Philosophie des Weinguts ist kein moderner Trend, sondern gelebter Alltag. Die Familie ging den Weg von der konventionellen zur biologischen Landwirtschaft konsequent zu Ende und unterstützt heute aktiv ihre Winzerpartner:innen in Südtirol bei der Bio-Zertifizierung. Helena merkt dabei, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeit weltweit ungleich verteilt ist. Während Märkte wie Deutschland, Schweden, Großbritannien oder die USA dem Thema große Aufmerksamkeit schenken, spielt es im Kaufverhalten auf dem italienischen Heimatmarkt bislang häufig eine geringere Rolle.
Es bleibt ein Aufklärungsfeldzug, den sie mit realistischer Nüchternheit führt. Wenn die Wahl zwischen einem makellosen konventionellen und einem biologischen Apfel mit kleinen optischen Fehlern ansteht, greifen viele immer noch zum scheinbar perfekten Produkt. Dennoch sieht sie einen positiven Wandel an der Basis. Gerade die jüngere Generation verlangt nach Transparenz, will die Gesichter hinter den Flaschen kennen und sucht nach ehrlichen Geschichten.
Ochsen, Schafe und geschlossene Kreisläufe
Eines der schönsten Projekte des Weinguts basiert auf der Idee eines geschlossenen Kreislaufs. Von Oktober bis April grasen Ochsen in den Weinbergen, den Sommer verbringen sie auf der Alm. Später wird das Fleisch im eigenen Restaurant Paradeis serviert.
Dass die Wahl auf Ochsen fiel, hat einen einfachen Grund: Als Wiederkäuer liefern sie wertvollen Mist, der unersetzlich für den Aufbau gesunder und lebendiger Böden ist. So werden die Tiere zu einem wichtigen Bestandteil des natürlichen Kreislaufs im Weinberg. In den steileren Hängen arbeitet das Weingut zudem mit einem Wanderhirten und seinen Schafen zusammen.
Offline ist das neue online
Ihre Inspiration bezieht Helena aus Reisen, visuellen Eindrücken aus Filmen und dem Austausch mit Menschen aus völlig unterschiedlichen Bereichen. Sie beobachtet eine große Sehnsucht der Menschen, wieder zusammenzukommen und echte Momente zu teilen. Die soziale Komponente der Aperitivo-Kultur ist ihr wichtig, als ein Genuss, den man sich wieder öfter gönnen sollte.
Trotz aller globalen Herausforderungen bleibt der Trend positiv: Die Menschen trinken zwar quantitativ weniger, dafür aber qualitativ besser. Für die nahe Zukunft arbeitet Helena mit ihrem Team bereits fleißig an neue Projekten. „Nächstes Jahr wird groß“, verrät sie mit einem Lächeln.
Mit diesen Frauen arbeite ich gerne zusammen?
Mit Frauen, die neugierig sind, Verantwortung übernehmen und den Mut haben, Dinge neu zu denken. Menschen, die unterschiedliche Perspektiven einbringen, gerne im Team arbeiten und dabei authentisch bleiben.
Mit diesen Frauen würde ich mich gerne einmal austauschen?
- Alice Waters: Pionierin der Farm to Table-Bewegung. Weil sie Landwirtschaft, Genuss und Kultur verbindet.
- Patricia Urquiola: Designerin. Weil sie zeigt, wie Handwerk, Ästhetik und Innovation zusammenfinden.
- Miriam Meckel: Publizistin und Kommunikationswissenschaftlerin. Spannend im Austausch über Kommunikation, Führung und Zukunft.
Themen, über die ich gerne spreche?
Biodiversität, gesunde Landwirtschaft, Wein, Markenaufbau, Kommunikation, Kunst, Reisen, Kulinarik, verschiedene Kulturen und darüber, wie echte Begegnungen Menschen verbinden können.
Kontakt
Helena Lageder
Vineria & Osteria Paradeis
Casòn Hirschprunn Straße 1
I-39040 Margreid
+39 0471 809 580
paradeis@aloislageder.eu
https://www.paradeis-aloislageder.eu/
Weingut Alois Lageder
Tòr Löwengang
Grafengasse 9
I-39040 Margreid
T +39 0471 809 500info@aloislageder.eu
aloislageder.eu